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Früher oder später wird jeder der in seinem Garten Stauden pflegt in Versuchung kommen diese nicht als fertige Pflanze im Geschäft zu kaufen, sondern lieber selbst auszusäen. Natürlich kann es auch daran liegen das diese und jene Staude im Handel gar nicht angeboten wird ! Die Aussaat ist das A&O will man später in seinem Garten prächtige Stauden stehen haben ! Angefangen bei den Aussaatgefäßen über das richtige Substrat, bis hin zur korrekten Betreuung nach der Aussaat, muss alles passen um einen optimalen Erfolg zu erzielen.

Keimbedingungen

Damit wir ein möglichst positives Ergebnis bei der Aussaat bekommen sollten die Keimbedingungen immer optimal sein ! Wobei natürlich die optimalen Keimbedingungen nicht für jede Staude gleich, sondern sehr individuell sind. Es gibt unterschiedliche Keimtypen, so wird nach Lichtkeimern, Dunkelkeimern und Kaltkeimern unterschieden, wobei es bei den Kaltkeimern noch Differenzierungen gibt. Näheres dazu weiter unten. Bedingung für eine optimale Keimung ist das Wärme, Feuchtigkeit des Substrats, Luftfeuchtigkeit und das Substrat selbst stimmen.

Weicht nur eine der Vorgaben von dem „MUSS“ ab kann die Aussaat schon in die Hose gehen. Die meisten Staudensamen sind zwar nicht so empfindlich, aber es gibt doch schon etliche unter ihnen die Abweichungen richtig übel nehmen. Daher sollten wechselnde Gegebenheiten während der Keimphase generell vermieden werden ! Keimlinge sind sehr anfällig, nur ein Tag Trockenheit kann dazu führen das die feinen Würzelchen ernstlich beschädigt werden und der Keimling dadurch nicht mehr vernünftig wächst oder gar abstirbt !

Leider ist es nicht so das man im Frühjahr Staudensamen einfach in den Garten werfen kann und kurze Zeit später steht der Garten voller Stauden. Das ist leider zu einfach, denn da gibt es doch einiges zu berücksichtigen um Erfolg zu haben. Wenn wir bei der Aussaat den natürlichen Ablauf nicht folgen wollen oder können, sondern z.B. im Frühjahr in unseren Kästchen, Zimmergewächshäusern oder Frühbeetkästen aussäen möchten spielt die Natur leider nicht immer mit, sondern schiebt uns dummerweise in vielen Fällen einen Riegel vor. Warum ? Ganz einfach, viele Staudensamen können aufgrund ihres Aufbaus gar nicht im Frühjahr keimen, oder benötigen bestimmte Vorraussetzungen um den Keimprozess überhaupt in Gang zu setzen. Daher werden die Samen in verschiedene Klassen, auch Keimtypen genannt, unterschieden. Genauer sind es drei Typen: Lichtkeimer, Dunkelkeimer und Kaltkeimer ! Was nun genau welcher Keimtyp für Vorraussetzungen benötigt und was dies für die Aussaat bedeutet wird unten aufgeführt !

verschiedene Keimtypen

1. Lichtkeimer

Wie der Name schon aussagt brauchen diese Samen Licht zur Keimung, daher sollte das Saatgut von Lichtkeimern nicht oder nur sehr dünn z.B. mit Sand abgedeckt werden. Am besten ist es jedoch wenn das Saatgut nur gut angedrückt wird. Übrigens sind die meisten Alpinen Stauden Lichtkeimer. Nach der Schneeschmelze sind diese Samen dem Sonnenlicht ausgesetzt und dadurch wird der Keimvorgang in Gang gesetzt. Stauden die sehr feine Samen haben zählen in der Regel zu den Lichtkeimern, so z.B. die Königskerzen, Fingerhüte, Mauerpfeffer, Goldruten, Bergsteinkraut, Weidenröschen, Blutweiderich usw. Sehr feines Saatgut sollte mit einem feinkörnigen Sand gemischt werden damit das Saatgut nicht zu dicht gesät wird. Danach nur gut andrücken ! Und Vorsicht beim Gießen, am besten befeuchtet man feines Saatgut mit einem Zerstäuber, gröbere Gießgeräte lassen das Saatgut sehr schnell wegschwemmen ! Wird draußen ausgesät sollte das Saatgut vor starken Regenfällen geschützt werden ! Werden Lichtkeimer bei der Aussaat mit Erde abgedeckt, sinkt die Keimrate meist sehr drastisch, der Erfolg wird also deutlich geringer ausfallen und die Keimung dauert wesentlich länger. Da Lichtkeimer also mehr oder weniger auf der Erde liegen sollte unbedingt darauf geachtet werden das die Oberfläche des Substrats immer leicht feucht bleibt, das verhindert eine Schädigung des keimenden Saatgutes ! Am besten deckt man die Saatschale daher mit einer Scheibe oder Folie ab ! Weiterhin sollten Lichtkeimer möglichst hell stehen, was aber nicht heißt das sie dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden. Gerade auf der Fensterbank kann das Sonnenlicht schnell zu Verbrennungen, schlimmstenfalls zum Totalverlust des Keimlings führen. Daher das Aussaatgefäß während der höchsten Sonneneinstrahlung entweder von der Fensterbank nehmen oder mit einem Jutetuch o.ä. abdecken ! Diese Maßnahme gilt für alle Keimlinge. Berücksichtigt man die aufgeführten Maßnahmen wird sich der Erfolg kurze Zeit später einstellen !

2. Dunkelkeimer

Die Dunkelkeimer stammen meist aus den pflanzenreichenTieflandebenen, d.h. die Samen dieser Stauden fallen zwischen die Krautvegetation und finden dort in feuchtdunkler Umgebung beste Keimbedingungen. In der Regel schafft man den Dunkelkeimern durch Übersieben des Saatgutes mit Erde die optimalen Bedingungen. Das Saatgut sollte dazu mit einer Erdschicht die zwei bis dreimal so dick wie das Saatgut selbst ist abgedeckt werden. Allerdings kann bei Dunkelkeimern auch „getrickst“ werden, so sät man das Saatgut wie das der Lichtkeimer aus und deckt das Aussaatgefäß anschließend einfach mit einer schwarzen Folie ab. Dadurch erreicht man den gleichen Effekt wie beim Abdecken mit Erde, weiterhin hat es den Vorteil das die Samen nicht unter der Erde liegen und somit die Gefahr des Pilzbefalls sehr viel geringer ist. Auch die bekannte und gefürchtete Wurzelhalsfäule wird damit sehr gut ausgeschaltet ! Nachdem das Saatgut gekeimt hat kann die Folie entfernt werden, dies sollte aber zuerst nur zeitweise geschehen damit die Luftfeuchtigkeit nicht abrupt wegfällt, oder man legt eine Scheibe bzw. durchsichtige Folie auf das Gefäß und beginnt dann täglich zu lüften, damit sich die Sämlinge an die neuen Bedingungen gewöhnen können. Die „Folien Methode“ sollte aber nur bei Saatgut das gleichmäßig auffläuft eingesetzt werden, Samen die sehr ungleichmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg keimen müssen nach der herkömmlichen Methode ausgesät werden ! Dunkelkeimer stellen nur wenig Anforderungen und keimen in der Regel sehr unproblematisch, teilweise muss die lange Keimphase berücksichtigt werden, Aussaatgefäße daher nicht zu schnell entleeren, sondern einfach noch stehen lassen, meist stellt sich der Erfolg noch ein ! Einige wenige Samen keimen nicht im gleichen Jahr, sondern benötigen 1 Jahr und mehr zum keimen, dies trifft aber nur auf 1-2 Prozent der bei uns geführten Staudensamen zu, ist also eher die große Ausnahme.

3. Kaltkeimer

Neben den oben aufgeführten Keimtypen gibt es leider recht viele Stauden die zu den Kaltkeimern zählen und somit kühle Temperaturen als Keimanreiz benötigen ! Das heißt aber nicht das diese Samen nun unbedingt Frost zum keimen brauchen, sondern bedeutet nur das eine Kältephase von unter 5° benötigt wird um mit dem Abbau der im Samenkorn befindlichen keimhemmenden Stoffe z.B. Säuren zu beginnen. Diese Stoffe sollen verhindern das daß Samenkorn z.B. in einer warmen Phase des Winters frühzeitig zu keimen beginnt. Erst wenn diese keimhemmenden Stoffe restlos abgebaut sind kann bei entsprechenden Temperaturen von über 10° der eigentliche Keimvorgang überhaupt beginnen ! Die Samenschale bekommt Risse, das Samenkorn saugt Wasser auf und beginnt dann zu keimen !

Einige Stauden, wie z.B. die aus der Familie der Hahnenfußgewächse, benötigen jedoch zwingend Temperaturen unter von Null Grad um den oben beschrieben Abbau in Bewegung zu setzen !. Interessanterweise können Kaltkeimer jedoch auch Schnellkeimer sein, denn wird Saatgut dieser Spezies sofort nach der Reife ausgesät keimt es meist sehr schnell. Grund dafür ist das die Samenschale dann noch nicht ausgehärtet ist und das Saatgut entsprechend gut auf Feuchtigkeit bzw. Wärme reagiert und aufläuft !. In der Regel verläuft die Keimung jedoch in drei Phasen. Die erste beginnt im warmen Herbst wobei die Samenschale durch die feuchtwarme Witterung langsam erweicht, mit Beginn der kalten Jahreszeit setzt der Abbau keimhemmender Stoffe im Samenkorn ein. Dieser Vorgang verläuft über viele Wochen und endet erst im Frühjahr wenn die Temperaturen wieder zu steigen beginnen. Die Samenschale bekommt Risse, das Samenkorn quillt auf, der eigentlich Keimvorgang beginnt und das Samenkorn keimt.

Nun gibt es verschiedene Wege Kaltkeimer auszusäen. Der erste Weg ist der natürliche, d.h. die Kaltkeimer werden im Oktober ausgesät und die Saatkiste anschließend draußen geschützt aufgestellt. Bitte darauf achten das die Erde in der Saatkiste feucht bleibt. Die Keimung erfolgt dem natürlichen Ablauf entsprechend im Frühjahr. Das Saatgut kann aber auch im Dezember ausgesät werden. Nach der Aussaat wird die Saatkiste 3-4 Wochen bei 15°-18° im Haus aufgestellt, anschließend wird die Temperatur für ca. eine Woche auf ca. 10° abgesenkt. Nach dieser mehrwöchigen Phase kann die Saatschale dann an einem frostfreien Januartag draußen an einen geschützten Platz aufgestellt werden, dabei sollte unbedingt darauf geachtet werden das die Temperatur wirklich über 0° ist damit das Saatgut nicht dem „plötzlichen Frost“ ausgesetzt wird, denn dann würde das Wasser im Samenkorn zu schnell gefrieren und dadurch das Korn schlicht und einfach platzen ! Daher die Saatkiste am besten zur wärmeren Mittagszeit bei Temperaturen um 0°- 5° nach draußen stellen dann kann nichts passieren, selbst wenn die Temperatur in den Abend oder Nachtstunden unter 0° absinkt. Durch das langsame absinken der Temperatur ist das Samenkorn nicht gefährdet. Leider ist diese Methode vom Handlungsablauf recht aufwendig daher nutze ich sie eher sehr selten.

Mit der dritten Methode überlistet man die Natur ! Dazu wird das Saatgut mit feuchten feinkörnigen Sand vermischt und in einen kleinen verschließbaren Plastikbeutel gefüllt. Dieser wird dann ca. vier Wochen bei 18-20° warm gelagert und danach für 6-8 Wochen in den Kühlschrank bei Temperaturen um 5° gelegt. Anschließend wird das Saatgut wie gewohnt bei 18-22° ausgesät ! Wichtig bei dieser Prozedur ist das die Temperaturen möglichst konstant bleiben, dies gilt vor allem für die Zeit im Kühlschrank da sich diese Phase sonst unweigerlich verlängert. Durch diese Methode kann man prinzipiell jederzeit aussäen, wobei es natürlich am sinnvollsten ist damit im sehr zeitigen Frühjahr ab Februar zu beginnen um zum Herbst hin bereits kräftige Stauden im Garten stehen zu haben damit diese auch den nächsten Winter bereits problemlos überstehen können. Damit man mit den Zeiten bzw. den Phasen nicht ins schleudern kommt sollte der Beginn der jeweiligen Phase unbedingt mit Datum auf dem Beutel vermerkt werden ! Diese dritte Methode ist eine gute und sehr genau zu steuernde Möglichkeit Kaltkeimer auszusäen. Sie benötigt den geringsten Platz, bringt in der Regel guten Erfolg und ist daher sehr empfehlenswert und meine bevorzugte Methode !

Die Kaltkeimer sind mit Sicherheit der schwierigste Typ und stellen gewiss eine Herausforderung an den Liebhaber da, aber mit ein wenig Übung und Geschick ist auch das zu schaffen. Welche Methode man nun wählt bleibt jedem selbst überlassen, jede hat ihre Vor und Nachteile. Uups, da fällt mir noch was ein, die Kaltkeimer sind in der Regel wie die Dunkelkeimer zu behandeln d.h. sie werden mit Erde abgedeckt, fallen somit nicht unter die Lichtkeimer.

Resümee

Nun kann sich jeder gut vorstellen das wenn oben aufgeführte Vorgaben, vielleicht unwissend, nicht berücksichtigt werden die Aussaat wohl nicht klappen wird, oder nur per Zufall z.B. im folgendem Frühjahr (Kaltkeimer) ! Daher ist es das A&O im Vorfeld festzustellen zu welchem Keimtyp das Saatgut das man aussäen möchte gehört. Kann dies trotz aller Bemühungen nicht herausgefunden werden hilft nur eines: ausprobieren ! Einige wenige Korn als Licht und Dunkelkeimer ausgesät werden schon weiterhelfen. Ist das Ergebnis nach einigen Wochen gleich null, handelt es sich um ein Kaltkeimer oder das Saatgut ist nicht mehr keimfähig ! Trifft letzteres nicht zu sollte das Saatgut nun kühl gestellt werden, oder noch einfacher: In der Saatschale draußen überwintert lassen ! Kaltkeimer sind oft an ihrer sehr harten Samenschale zu erkennen, dadurch kann das Saatgut auch den härtesten Winter unbeschadet überstehen.

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